Marvel’s Iron Fist ist eine von insgesamt 6 Serien, die von Marvel in Kooperation mit den ABC Studios für das Video-Streaming-Portal Netflix produziert werden. (Zur Info: Bei den anderen Serien handelt es sich um Marvel’s Daredevil, Marvel’s Jessica Jones und Marvel’s Luke Cage, die gemeinsam mit Marvel’s Iron Fist in einer Crossover Serie namens Marvel’s The Defenders münden werden, sowie dem inzwischen – aufgrund des großen Erfolges – angekündigten Daredevil-Spin-Off Marvel’s The Punisher.) Wie alle anderen aktuellen Marvel Serien (also sowohl die Netflix-Serien, als auch Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.), spielt auch Marvel’s Iron Fist im sogenannten MCU, dem Marvel Cinematic Universe, dem auch die (meisten) aktuellen Kinofilme anzurechnen sind, wie Iron Man, Captain America und Thor. (Die ganze Geschichte rund um Marvel, Sony, die Spider-Man Varianten mit Tobey Maguire & Andrew Garfield in den Titelrollen, die Fantastic Four, „haste.nich.gesehn“ und die jeweiligen Verwertungs-Rechte ist lang, verworren und wohl einen eigenen Artikel wert. Idee: Falls Euch das interessiert, gebt mir doch Feedback via Facebook und / oder Twitter, ob ich das ganze Thema mal für Euch auseinanderklabustern soll.)

Bei dem titelgebenden Helden handelt es sich um Daniel (Rufname: Danny) Rand, der als Kind mit seinen milliardenschweren Eltern in einem Privatjet über dem Himalaya abstürzte, wobei nur er selbst überlebte und daraufhin viele Jahre lang von Krieger-Mönchen in einem Kloster er- und großgezogen wurde, das in einer anderen Dimension versteckt liegt und nur alle 15 Jahre für den Rest der Welt zugänglich ist. Dort bildete man ihn zur Iron Fist aus, dem „eingeschworenen Feind der Hand“ (letztere sollte jedem ein Begriff sein, der die zweite Staffel von Marvel’s Daredevil schon gesehen hat), dessen einzige Aufgabe es ist, den Weg zum Kloster gegen jeden unerwünschten Eindringling und vornehmlich gegen Mitglieder der Hand zu verteidigen, solange eben jener Pfad der restlichen Welt offen steht. Danny kann sich dabei, neben seiner Kampfkunst-Meisterschaft, auf seine besondere Fähigkeit verlassen, sein Chi in seiner Faust zu bündeln, was diese a) zum Leuchten bringt und b) extrem stark und nahezu unverwundbar macht (solange die Fähigkeit aktiv ist). Die Serie beginnt damit, dass Danny Rand nach 15 Jahren Abwesenheit – und nachdem man ihn und seine Familie für tot erklärt hat – nach New York zurückkehrt um seinen Namen und seine weltliche Existenz einzufordern und um Antworten zu finden, wie es vor vielen Jahren überhaupt zum dem Absturz des Flugzeugs und damit zu dem Tod seiner Eltern kam.

Wer nun nach meinen ersten Zeilen zu der Überzeugung gekommen ist, dass es in Marvel’s Iron Fist ordentlich „auf die Fresse“ gibt, liegt damit durchaus richtig. Danny, seine Verbündeten auf die er im Laufe der Staffel trifft und seine sämtlichen Gegner teilen mächtig aus und das stellenweise recht blutig und durchaus auf dem von Netflix angepeilten Ab-18-Niveau. Dennoch liegt der Fokus der Serie, zumindest nach meinem Gefühl, durchaus nicht auf der offensichtlichen Action, sondern viel mehr auf Danny und seinem Weg, seine „Bestimmung zu finden“. Danny bekommt es nämlich nicht nur mit gewaltbereiten chinesischen Drogenschmugglern zu tun, sondern auch mit zwielichtigem Geschäftsgebaren, wechselnden Loyalitäten und allerlei Machtspielchen. Wie er herausfindet, hat er nämlich ein Anrecht auf 51% der Geschäftsanteile der Firma seines Vaters – welche inzwischen von den Kindern des ehemaligen, väterlichen Geschäftspartners geleitet wird, was ganz eigene Aufgaben und Probleme mit sich bringt. Und so ist Danny in den 13 Folgen hin- und hergerissen zwischen der Loyalität, die er dem Kloster gegenüber empfindet, in dem er aufgewachsen ist, der Erinnerung an sein altes Leben, dem Willen in „seiner“ Firma einiges zu ändern und somit Gutes für die ganze Welt zu tun, anstatt nur für die ferne Heimat in den Bergen, der Neugier auf den Rest der Welt, die ihm dank seines Vermögens nun offen steht und der Enttäuschung über diese, je mehr er über sie erfährt. Er zweifelt an seiner Mission, an sich, an seinen Motiven, an seinen Mitmenschen und nicht zuletzt an seiner Gabe. Und mal ehrlich: Wie würdet Ihr Euch fühlen, wenn ihr im Kindesalter Eure Eltern verliert um dann von Krieger-Mönchen aus einer anderen Dimension zum Super-Kung-Fu-Kämpfer „geformt“ zu werden und dann nach 15 Jahren in eine völlig andere Welt zurückkehrt?!

Wer jetzt zu der Überzeugung kommt, dass es in Marvel’s Iron Fist einige menschliche Abgründe zu erkunden gibt, liegt damit ebenfalls durchaus richtig. Die Serie nimmt sich die nötige Zeit, um diese Untiefen ausgiebig auszuleuchten. Dadurch hat Iron Fist, obwohl er seinem Thema folgt und von Action und Martial Arts geprägt ist, ein eigenes Tempo, irgendwo zwischen dem schnellen und actionlastigen Daredevil und dem bedächtigen Luke Cage, der lieber völlig gewaltfrei unterwegs wäre. (Marvel’s Jessica Jones kommt, wo wir gerade dabei sind, eher düster und depressiv daher und fühlt sich dabei nochmal ganz anders an.)

Dem einen oder anderen Zuschauer mag Marvel’s Iron Fist damit zu lahm oder zu langweilig sein, die Erzählweise zu lasch oder der Titelheld vielleicht auch irgendwie zu unentschlossen. Ich persönlich empfand die Serie insgesamt aber als ziemlich passend, sowohl für sich betrachtet und was die Hauptfigur und deren „Reise“ betrifft, als auch im Lichte des „Gesamtkonstruktes Marvel’s The Defenders“, das uns in naher Zukunft auf Netflix erwartet. Und auch wenn ich zugeben muss, dass diese Serie in ihrem Gesamtbild und im entsprechenden Vergleich mit ihren Schwesterserien ein wenig schwächer ist, so ist Marvel’s Iron Fist es in jedem Fall wert, angeschaut zu werden. Und für Marvel-Fans sowieso!

In diesem Sinne, recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

 


Hinweis: Die Rechte an dem oben dargestellten Cover-Artwork gehören wahlweise den Marvel Studios, den ABC Studios, Disney oder Netflix.